"Weitergeben, was ich Positives erlebt habe“

Wir möchten auf das Familienpatenprojekt der Schwangerenberatung und Netzwerk Leben der Caritas in Nieder-Olm aufmerksam machen. Zur Veranschaulichung haben wir ein Interview mit Frau Stetter, einer Familienpatin aus Nieder-Olm geführt, die uns einen kleinen Einblick von Ihrem Pateneinsatz gewährt.

Koss:“ Frau Stetter, wie sind Sie auf das Patenprojekt aufmerksam geworden?“

 

Stetter: "Ich habe Anfang 2016 den Artikel im Lokalanzeiger über die Zertifikatsübergabe an die Familienpaten in Bodenheim gelesen. Das Projekt und seine Tätigkeit haben sich interessant angehört und mich angesprochen.“

 

Koss: "Was hat Sie letztendlich dazu bewogen, als Familienpatin aktiv zu werden?“

 

Stetter: „Dass ich selbst in der guten Situation war, Großeltern und Familie zu haben, die für mich da waren, wenn ich Hilfe gebraucht habe und ich selbst erkannt habe, dass es genug Menschen gibt, die Hilfe brauchen und niemanden haben, auf den sie zurückgreifen können. Das war der Hauptgrund. Mein Sinn war, dass weiter zu geben, was ich selbst Positives erlebt habe.“

 

Koss: „Was ist Ihre Aufgabe als Patin, wie viel Zeit bringen sie für die Patenschaft auf?“

 

Stetter:“ Der Zeitaufwand ist unterschiedlich, je nachdem wie ich gebraucht werde. Das können mal zwei Stunden, aber auch mal fünf Stunden in der Woche sein. In meinem Fall, je nach Absprache und Bedarf. Die Familie braucht mich, um einfach eine Entlastung für die Mutter zu sein, die Vollzeit arbeitet, so dass sie mal in Ruhe einkaufen gehen oder einen Arzttermin ohne Stress wahrnehmen kann. Sie hat keinen Zeitdruck, weil sie weiß, dass ihr Kind gut versorgt und beschäftigt ist.

 

Meine Aufgabe als Patin ist mich um das Kind zu kümmern und mich mit ihm zu beschäftigen, z.B. zu spielen, vorzulesen und zu singen. Alles was man mit einem Kleinkind so macht, allerdings habe ich als Patin noch mal ganz anders Zeit und Ruhe. Füttern und Wickeln oder das Kind in den Schlaf bringen, was nicht immer ganz einfach ist, gehören ebenfalls dazu. Als Familienpate kann man ein Teil der Familie werden, hat aber noch mal eine andere Sichtweise auf die Situation, da man nicht selbst in dem Geschehen verhaftet ist."

 

Koss: „Wie hat sich die Patenschaft entwickelt, wie erleben Sie sie jetzt?“

 

Stetter:“ Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die durch äußerliche Umstände entstanden sind, verläuft jetzt alles in geordneten Bahnen. Es war eine sehr große Entlastung für die Mutter , dass die Kleine so schnell einen Kindergartenplatz im katholischen Kindergarten bekommen hat. Einfach um eine innere Ruhe zu bekommen während sie ihrer Arbeit nachgeht, weil sie wieder einen geregelten Ablauf haben. Wir konnten die Steine gemeinsam aus dem Weg räumen und jetzt ist die Patenschaft sehr entspannt. Die Mutter weiß auch, dass sie die kurzen Freizeiten, die Sie auch mal braucht, durch mich als Familienpatin hat, weil ich da bin, um die Kleine mal vom Kindergarten abzuholen und mich mit ihr zu beschäftigen.

 

Ich kann mich jetzt voll und ganz auf die Kleine konzentrieren und das macht einfach Spaß mit ihr. Es ist schön, dass man die Entwicklung mitbekommt. Wie wir uns kennengelernt haben, konnte die Kleine weder Krabbeln noch Laufen und jetzt, wuselt sie bei uns durch die ganze Wohnung und lacht.“

 

Koss: „Was ist ihre „Entlohnung“ für ihre Tätigkeit als ehrenamtliche Familienpatin“?

 

Stetter:“ Es ist ein schönes Gefühl helfen zu können und die glücklichen Gesichter von Mutter und Kind sind Entlohnung genug. Es hat sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt und eine freundschaftliche Basis. Es kann eine Intimität entstehen, welche die Möglichkeit bietet, Dinge anzusprechen, die mit der eigentlichen Patenschaft nichts zu tun haben, aber die Mutter beschäftigen und man kann gemeinsam nach Lösungen suchen.“

 

Koss:“ Wenn sich jemand für ein Ehrenamt als Familienpate interessiert, welche Voraussetzungen sollte man Ihrer Meinung nach als Pate mitbringen?"

 

Stetter: „Wenn man Spaß hat, sich mit Kindern zu beschäftigen und sich auf neue Situationen einlassen kann, dann sollte man es auf jeden Fall ausprobieren. Man muss offen für die unterschiedlichsten Situationen sein. Es ist gut und wichtig seine eigenen Erfahrungen und Menschenkenntnis einzubringen. Man muss bereit sein, neue Erfahrungen zu machen. Man sollte bereit sein, an den Gruppenangeboten teilzunehmen, denn der Austausch untereinander kann sehr hilfreich sein. Wobei aus Datenschutzgründen nie namentlich über die Familien gesprochen wird.

 

Der Rückhalt von Seiten der Caritas ist ebenfalls sehr gut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich mal mit einer Situation nicht klar komme, direkt das Gespräch mit der Koordinatorin suchen kann, um Dinge zu besprechen, abzuklären oder einfach nur Feedback zu holen.

 

Wenn Sie es sich vorstellen können, sprechen Sie einfach ganz unverbindlich die Koordinatorin des Projektes an.“

 

Koss: „Frau Stetter, vielen Dank für das offene Gespräch.“